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Bio — was heißt das schon?

Tatort Bio­fachmesse Nürn­berg, hier geben sich die Pro­duzen­ten und Händler von Bio­pro­duk­ten weltweit ein Stelldichein und ich mit­ten­drin. Und oft­mals auch rat­los davor. Denn mein sub­jek­tives Bio-Ver­ständ­nis wird wieder ein­mal erschüt­tert. Vor allen Din­gen wenn ich vor der Bio-5-Minuten-Ter­rine in der schick­en Plas­tikver­pack­ung ste­he oder mir veg­e­tarische Sojabällchen in Tomaten­sauce aus der Dose ange­boten wer­den. Nun gut, darauf klebt

das Bio-Siegel nach EU-Öko-Verordnung,

was soviel heißt wie: Alle Lebens­mit­tel und Pro­duk­te, die so gekennze­ich­net wer­den, sind nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökol­o­gis­chen Land­bau erzeugt und ver­ar­beit­et, kön­nen importiert und auch so gehan­delt wer­den. Die Rechts­grund­lage dafür ist das Öko-Kennze­ichenge­setz. Was heißen soll, dass all diese Pro­duk­te und demzu­folge auch alle Zutat­en dieser Pro­duk­te aus ökol­o­gis­chem Land­bau stam­men. Für bis zu 5 % dieser Zutat­en sind streng geregelte Aus­nah­men möglich, die in der EU-Öko-Verord­nung fest­gelegt ist. Soweit unser Beam­ten­deutsch.

Wenn man den aktuellen Studien trauen darf,

greifen mit­tler­weile nahezu 40 % aller Deutschen ger­ade in Bal­lungs­ge­bi­eten wie München oder Köln nur noch zu Bioware. Ein regel­rechter Hype und natür­lich wird hier auch ordentlich Geld ver­di­ent, keine Frage. Wer Bio kauft, i(ss)t näm­lich IN. Trotz­dem fehlt mir für manche dieser soge­nan­nten Bio-Pro­duk­te ein­fach das Ver­ständ­nis, ger­ade wenn sie aus dem Fer­tig­pro­dukt-Regal kom­men. Meine wahrschein­lich etwas ide­al­is­tis­che (meine Fam­i­lie würde sagen roman­tis­che) Vorstel­lung von Bio passt nun ein­mal nicht zusam­men mit dem Wiener Würstchen aus der Dose, da mag noch so viel Bio drin sein und auch drauf ste­hen.

Auch entste­hen immer selt­samere Lebens­mit­tel­pro­duk­te, um den jew­eili­gen Trends der Ernährungs-Szene auch in Bio­qual­ität gerecht zu wer­den: Vom Gyros so ganz ohne Fleisch in Bio­qual­ität bis hin zum Kaf­feegetränk so ganz ohne Kaf­fee.

Schade ist nur, dass Bio­pro­duk­te in den Köpfen der Ver­brauch­er auch immer gle­ichge­set­zt wer­den mit gesun­der und aus­ge­wo­gen­er Ernährung. Aber Kekse die statt mit weißem Haushalt­szuck­er nun mit Voll­rohrzuck­er und anstelle mit Eiern dann mit veg­anem “Zauber-Ei” geback­en wer­den, sind zwar sich­er etwas voll­w­er­tiger, aber deshalb nicht unbe­d­ingt aus­ge­wo­gen­er. Und trotz Bio-Siegel auch nicht wirk­lich hil­fre­ich, um Kör­per­fett zu reduzieren.

Was habe ich für ein Glück in ein­er so wun­der­baren Region wie dem Rosen­heimer Land zu leben; denn auf den her­rlichen Bauern­märk­ten und Hoflä­den hier find­est Du so gut wie alles in Bio­qual­ität, nach­haltig da region­al, saison­al und direkt vom Erzeuger. Auch wenn nicht immer Bio drauf­ste­ht!

Eine nach­den­kliche Bir­git so ganz ohne Bio-Siegel